Viele Frauen beschreiben nach der Geburt ein ähnliches inneres Erleben:
„Objektiv habe ich nicht mehr Stress – aber alles fühlt sich intensiver an.“
„Ich bin schneller ängstlich, dünnhäutiger, reagiere stärker als früher.“
Das kann irritieren und verunsichern.
Die entlastende Nachricht ist: Dieses Erleben ist neurobiologisch erklärbar – und sehr häufig.
Es ist kein persönliches Versagen.
Es ist ein Nervensystem im Umbau.
1. Das Gehirn wird nach der Geburt neu justiert
Während Schwangerschaft und Geburt kommt es zu nachweisbaren strukturellen und funktionellen Veränderungen im Gehirn.
Besonders betroffen sind:
- die Amygdala – unser Gefahren- und Alarmzentrum
→ sie reagiert sensibler auf potenzielle Bedrohungen - der präfrontale Cortex – zuständig für Regulation, Einordnung und Beruhigung
→ seine dämpfende Wirkung ist zeitweise reduziert
Evolutionär ist das sinnvoll:
Das Gehirn wird auf Schutz, Wachsamkeit und Bindung eingestellt.
Subjektiv fühlt es sich jedoch oft so an:
„Ich bin schneller überfordert – und brauche länger, um mich zu beruhigen.“
2. Der abrupte hormonelle Umbruch wirkt direkt auf Angstregulation
Nach der Geburt sinken Östrogen und Progesteron innerhalb weniger Tage stark ab.
Diese Hormone wirken normalerweise stabilisierend und angstregulierend auf das Nervensystem.
Zusätzlich verändern sich:
- der Cortisol-Rhythmus (Stresshormon)
- der Oxytocin-Spiegel (Bindung, Stillen, Nähe)
- häufig der Zyklus über Monate hinweg
➡️ Das Nervensystem wird reaktiver –
auch ohne äußere Stresszunahme.
3. Schlafmangel verstärkt Angstreaktionen deutlich
Selbst moderater, chronischer Schlafmangel führt zu:
- erhöhter Amygdala-Aktivität
- geringerer emotionaler Regulation
- erhöhter Reizoffenheit
Wichtig:
Das passiert auch dann, wenn Frauen subjektiv sagen:
„Ich komme eigentlich ganz gut zurecht.“
Das Nervensystem registriert dennoch: zu wenig Erholung.
4. Dauerhafte Verantwortung verändert den Grundton des Nervensystems
Nach der Geburt trägt das Nervensystem etwas Neues:
eine permanente, meist unbewusste Verantwortung für ein anderes Leben.
Das zeigt sich nicht als Gedanke, sondern als körperlicher Zustand:
- unterschwellige Wachsamkeit
- schnelleres Umschalten in Alarm
- weniger inneres Sicherheitsgefühl
Viele Frauen sagen rückblickend:
„Ich entspanne anders – oder gar nicht mehr wie früher.“
5. Postpartale Angst ist häufig – und oft unerkannt
Neben der bekannten postpartalen Depression gibt es postpartale Angststörungen, die mindestens genauso häufig auftreten – aber seltener erkannt werden.
Typische Anzeichen:
- innere Unruhe
- Grübeln und Sorgen
- Reizbarkeit
- das Gefühl, „nicht mehr wie früher“ zu sein
Viele Frauen funktionieren im Alltag –
und fühlen sich innerlich dauerhaft angespannt.
6. Alte Themen können sich körperlich reaktivieren
Geburt ist ein tiefgreifender Übergang – neurologisch, hormonell, emotional.
Dabei können frühere Bindungs- oder Kontrollmuster somatisch aktiviert werden,
ohne dass sie bewusst erinnert werden müssen.
Auch das ist kein Rückschritt –
sondern ein Hinweis auf erhöhte Sensibilität.
💨 Wie Breathwork in dieser Phase sinnvoll unterstützen kann
Atemarbeit kann sehr wirksam sein – wenn sie regulierend eingesetzt wird.
Hilfreich sind:
- langsame Atemrhythmen
- längere Ausatmung
- sanfte Pausen nach dem Ausatmen
- tiefe, aber nicht forcierte Atemzüge
- kurze, klar begrenzte Einheiten (5–10 Minuten)
Ziel:
Nicht Emotionen „freisetzen“, sondern Sicherheit im Nervensystem aufbauen.
Wichtig:
Stark aktivierende Atemtechniken können in dieser Phase überfordernd sein.
🌿 Eine entlastende Botschaft
Du bist nicht schwächer geworden.
Dein Nervensystem ist sensibler eingestellt.
Das ist biologisch erklärbar – und veränderbar.
🫁 Sanfte Atemübung (3–5 Minuten)
- Atme 4 Sekunden ein
- Atme 6–8 Sekunden aus
- Spüre bewusst den Moment nach dem Ausatmen
- Lass Schultern, Kiefer und Bauch weich werden
👉 Diese Art von Atmung signalisiert dem Nervensystem: Ich bin sicher.
🇬🇧 Why I Feel More Anxious After Birth – Even Though My Life Isn’t More Stressful
Many women describe the same experience after giving birth:
“My life isn’t objectively more stressful – but everything affects me more.”
“I feel more anxious, more reactive, and less resilient.”
This can feel confusing.
The reassuring truth is: this experience is well explained by neuroscience.
It is not weakness.
It is a nervous system adapting to a new reality.
1. The postpartum brain becomes more sensitive to threat
Pregnancy and childbirth lead to measurable changes in brain structure and function.
Key areas involved:
- the amygdala, responsible for threat detection, becomes more reactive
- the prefrontal cortex, responsible for regulation, temporarily inhibits less
From an evolutionary perspective, this increases protection and vigilance.
From the inside, it often feels like emotional overwhelm.
2. Hormonal shifts directly affect anxiety regulation
After birth, estrogen and progesterone drop sharply.
These hormones normally support emotional stability.
At the same time:
- cortisol rhythms change
- oxytocin fluctuates
- menstrual cycles may remain irregular for months
➡️ The nervous system becomes more reactive, even without external stress.
3. Sleep deprivation amplifies anxiety responses
Even moderate chronic sleep deprivation:
- increases amygdala reactivity
- reduces emotional regulation
- heightens stress sensitivity
This happens regardless of how well someone thinks they are coping.
4. Constant responsibility shifts the nervous system baseline
After birth, the nervous system adapts to a new condition:
being responsible for another life.
This creates a physiological state of:
- ongoing vigilance
- faster stress responses
- reduced felt safety
It is not cognitive – it is embodied.
5. Postpartum anxiety is common and often overlooked
Postpartum anxiety disorders are as common as postpartum depression, yet less recognized.
Common signs include:
- persistent inner tension
- worry and rumination
- irritability
- feeling unlike oneself
Many women function well externally while feeling overwhelmed internally.
6. Earlier emotional patterns may resurface
Birth is a profound transition.
It can activate unresolved patterns somatically, without conscious memory.
This reflects sensitivity – not pathology.
💨 How breathwork can support this phase
Breathwork is highly effective when used regulatively.
Supportive approaches include:
- slow breathing
- extended exhalation
- gentle pauses after the exhale
- non-forced depth
- short, contained sessions (5–10 minutes)
The goal:
To restore felt safety, not emotional catharsis.
🌿 A grounding reminder
You are not weaker.
Your nervous system is more sensitive.
This is biological, understandable – and changeable.
🫁 Gentle breathing practice (3–5 minutes)
- Inhale for 4 seconds
- Exhale for 6–8 seconds
- Rest briefly after the exhale
- Let the body soften with each round
👉 This rhythm supports parasympathetic regulation and calm.
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